Evangelische Kirche

 

Geschichte

evangelische Kirche vom Dorfgemeinschaftshaus aus gesehen1224 wird eine Kapelle „zur großen Linde” in Ensheim urkundlich erwähnt, die Graf Gerlach IV. von Veldenz dem Marienstift Flonheim schenkte.

Das Flonheimer Stift (Kloster) besaß auch das Patronatsrecht in „Ennensheim”, wie es damals genannt wurde. In der Beschreibung der „Kurfürstlichen Pfalz am Rhein” aus dem Jahre 1787 wird vermutet, daß die Kapelle zu Ensheim schon 1224 eine Filialkirche von Spiesheim gewesen sein könnte, weil sie nur als Kapelle und nicht als Pfarrkirche erwähnt ist.

Mit Ensheim verbunden war auch das südlich vom Dorf, an der Kreuzung „Pariser Straße/Bornheimer Straße” gelegene Hofgut „Kronkreuz”, wo die eigentliche Pfarrkirche für Ensheim stand. Karte mit Hofgut Kronkreuz1258 war die Pfarrkirche „Chrancruzen” zusammen mit der Kapelle zu Ensheim „Ensinsheim”, dem Marienstift Flonheim inkorporiert (einverleibt) worden. Daß es sich bei dem Hofgut „Kronkreuz” um ein Klostergut gehandelt hat, beweist auch schon der Flurname „Klosterwiese” in unmittelbarer Nähe des ausgedehnten Gutes, das auf dem nebenstehendem Plan dargestellt ist.

Urkunde aus dem Jahr 1299

In einer weiteren Urkunde aus dem Jahre 1299 verzichten Bischof Emich zu Frei­sing, Probst Hugo, Domherr zu Mainz und Probst Gerhard zu Freising - die Söhne des Wildgrafen Emich -, ferner Domherr Gerhard zu Mainz und Graf Friedrich I. - die Söhne des Wildgrafen Gottfried Raub zu Gunsten des Mainzer Domkapitels auf alle ihre Rechte, Vogtei (Amt), Dienstbarkeit und Herberge, die sie seither auf dem Hof „Crahencruze” bei dem Dorf „Ensentheim” hatten und die dem Kloster Flonheim zustanden.

1398 verschreibt das Mainzer Domkapitel dem Pfalzgrafen Ruprecht III. ein jährli­ches „Seelgeräthe” (Jahrgedächtnismesse) wegen der Befreiung seines Hofes bei Alzey das Hofgut „Craencrutze” genannt, von Atzung und Herberge. (Der Hof brauchte den pfalzgräflichen Beamten bei der Durchreise nicht mehr unentgeltlich Speise und Trank sowie Herberge zu gewähren).

1522 wird im „Alzeyer Amtsbuch” ein Pfarrer Jobst zu Ensheim genannt, der die Pfarrkirche (Kronkreuz) zu versehen hatte.

evangelische Kirche von der Hahngasse aus betrachtet

Auf Kronkreuz bei der Pfarrkirche befand sich auch der Ensheimer Friedhof, den man vom Ort aus über den „Bahrenweg” - wie er heute noch heißt - erreichen konnte. Den Weg nannte man so, weil die Toten auf einer Bahre hinausgetragen wurden.

Zwischen Hofgut und dem Dorf soll auch ein unterirdischer Gang bestanden ha­ben, an dessen Seitenwänden Nischen bzw. Sitznischen angebracht waren, um bei Plünderungen, Brandschatzungen und dergl. Schutz suchen zu können.

Dieses unterirdische Gewölbe nannte man auch den „Heidenkeller”. Der Garten in Nähe des Zuganges war der sogenannte „Heidengarten”, der im Volksmund „Haie­garten” genannt wurde.

Das Hofgut „Kronkreuz” ist wohl in den Wirren des 30jährigen Krieges zerfallen, denn 1680 bestand es nicht mehr.

Die Kapelle „zur großen Linde” fiel 1705 bei der pfälzischen Kirchenteilung den Reformierten zu. 1722/23 wurde die Kapelle zu einer Kirche umgebaut. Den Chor der alten Kapelle hat man beim Umbau wiedeverwendet.

Der Innenraum

Altar

Der Kern der evangelischen Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und wurde 1722 überbaut. Der sehr sehenswerte Innenraum der Kirche enthält den 1906 aus dem Legat von Elisabetha Kullmann gestifteten Altar, auf dem ein von dem Künstler ??? gestaltetes Wendekreuz steht. Das Kreuz stellt auf der Vorderseite einen Engel dar, die Rückseite ist schlicht gestaltet und enthält nur den Schriftzug INRI.WendekreuzNormalerweise zeigt die Vorderseite des Kreuzes zur Gemeinde, nur an Ostern sieht die Gemeinde die Rückseite des Kreuzes, wodurch dann auch der Organist in den Genuss der Vorderseite des Kreuzes kommt

Der Andacht kann sowohl unten als auch auf einer Empore beigewohnt werden. Manche Gottestdienste, wie beispielsweise der Kerbe-Gottesdienst, werden von dem Ensheimer Männer-Gesangsverein MGV1880/1920 Ensheim mitgestaltet. Dessen Sänger finden während des Gottestdienstes auf dem Chorgestühl Platz.Chorgestühl

Renovierungen

Da die Kirche aufgrund Ihrer Hanglage immer wieder etwas in Richtung Tal rutscht, muss sie in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen restauriert werden. Während der letzten Restaurierung die gefundene Bibel1999 wurde in der Mauer eine alte Bibel entdeckt, die ein Pfarrer vermutlich während des letzten Weltkrieges dort

 

 

 

Text: © Festschrift 11. Verbandsgemeinde-Weinfest 1990 in Ensheim

Bilder: © 2014 Jiravan Vitisvorakarn und Ralf Ebert

 

 

 

 

Impressionen:

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